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Die Jesuiten und die Bücher

Zur Zeit der Gründung der Jesuiten war die Technologie des europäischen Buchdrucks mit beweglichen Lettern erst knapp ein Jahrhundert alt. Der Orden nutzte diese Technologie und legte großen Wert auf Ausbau und Pflege seiner Bibliotheken. Die Bücher hatten für die Jesuiten gleich zwei unersetzliche Funktionen: Einerseits dienten sie als Lehrmaterial, andererseits hielten sie die Ordensmitglieder akademisch auf dem neuesten Stand.

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Die Büchersammlung des Kölner Kollegs

Die Kölner Jesuiten begannen früh, eine Bibliothek anzulegen, welche jedoch 1621 einen schweren Rückschlag erlitt: Ein Feuer vernichtete den Großteil des Bestandes. Noch im gleichen Jahr begann ein rascher Wiederaufbau, und die Bibliothek musste bald auf mehrere Räume aufgeteilt werden. Die bis heute überlieferten Bücher demonstrieren das breit gefächerte Interesse der Jesuiten.

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Die Gymnasialbibliothek

Um 1800 befand sich Köln unter der Herrschaft der Franzosen. Diese führten Buchbestände aus verschiedener Herkunft zur Gymnasialbibliothek zusammen – den größten Teil machten Bücher aus dem ehemaligen Jesuitenkolleg aus. Trotz einiger Verluste befinden sich daher viele Bücher aus jesuitischem Besitz bis heute in der Sammlung ‚Gymnasialbibliothek' in der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln.

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Die Jesuiten und die Bücher

Zur Zeit der Gründung des Jesuitenordens war die Technologie des europäischen Buchdrucks mit beweglichen Lettern erst knapp ein Jahrhundert alt. Der Buchdruck hatte einen einschneidenden Einfluss auf die (Gelehrten-)welt: Das gedruckte Buch konnte in wesentlich kürzerer Zeit und höherer Stückzahl produziert werden als die Handschrift. Somit konnten Informationen und Meinungen nun deutlich effektiver verbreitet werden als noch im Mittelalter.

Die Jesuiten erkannten schnell, dass sie die Möglichkeiten des neuen Mediums nutzen mussten, um ihr übergeordnetes Ziel, die Stabilisierung und Beförderung des katholischen Glaubens, zu erreichen. Sie begannen damit, in ihren Kollegien große Büchersammlungen aufzubauen, einerseits, um Lehrmaterial für ihre Schulen bereitzustellen, andererseits, um in den Debatten ihrer Zeit auf dem neuesten Stand zu bleiben und an diesen teilnehmen zu können. Der Orden legte großen Wert auf seine Bibliotheken – Petrus Canisius, ein niederländischer Jesuit, der die Anfänge der Jesuiten nördlich der Alpen entscheidend prägte, brachte das so auf den Punkt: „Lieber ein Kollegium ohne eigene Kirche als ein Kollegium ohne eigene Bibliothek“ (zitiert nach Schmitz: Bibliotheksgeschichte >>, S. 73).

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Petrus Canisius, ein aus den Niederlanden stammender Jesuit, prägte die Geschichte des Ordens im deutschsprachigen Raum nachhaltig und wirkte unter anderem in Köln. Digitalisat aus der Portraitsammlung der USB Köln >>

 

Die Büchersammlung der Kölner Jesuiten

 BesonderheitenSeit 1621 arbeiteten die Jesuiten kontinuierlich daran, ihre Bibliothek auszubauen. Dabei erwarben sie viele Bücher selbst, erhielten aber auch Bücher aus Schenkungen und Erbschaften. N2/52 [GBVIII69+B] >>

Schon bevor die Jesuiten die Leitung des Kölner Gymnasiums Tricoronatum übernahmen, haben sie damit begonnen, eine Bibliothek aufzubauen. Das zeigen einige wenige Bücher jesuitischer Provenienz aus den 1550er Jahren, die bis heute in der USB vorzufinden sind. Ein großer Teil dieser frühen Bibliothek wurde jedoch am 4. April 1621 bei einem Brand vernichtet. Noch im gleichen Jahr begannen die Jesuiten damit, die Verluste zu ersetzen und eine (weitestgehend) neue Bibliothek aufzubauen. 

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Titelblatt eines Werkes des Humanisten Angelo Polizano, welches bereits 1569 in die Jesuitenbibliothek kam - es überstand den Bibliotheksbrand von 1621. GBII+D203 >>

 

Durch die Überlieferungslage kann diese neue Bibliothek wesentlich besser erschlossen werden. Das Jesuitenprojekt der USB erhebt kontinuierlich Daten, die Rückschlüsse auf die Bestandsgeschichte, Struktur und Entwicklung der Buchsammlung ermöglichen. Inhaltlich bezeugen die überlieferten Bücher das breit gefächerte Interesse der Kölner Jesuiten. Zwar lag der Schwerpunkt der Jesuitenbibliothek(en) auf der Theologie, doch die überlieferten Bestände bezeugen, dass sich die Jesuiten auch umfangreich mit Mathematik, Sprachen, (antiker) Literatur, Naturwissenschaften und vielem mehr auseinandersetzten.

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In der Bibliothek des Jesuitenkollegs fand eine Vielfalt verschiedener Bücher einen Platz; neben zahlreichen Bibelausgaben besaß das Kolleg beispielsweise auch literarische und kosmologische Werke. Von links nach rechts: GBIV3331-1 >>GBII+D193 >>GBX62+B >>

 

Die Gymnasialbibliothek

Die Bibliothek blieb auch nach der Auflösung des Jesuitenordens 1773 zunächst an ihrem Platz. Nachdem die französische Armee Köln 1794 besetzte, wurden einige Bücher konfisziert und unter anderem nach Paris gebracht. Einen großen Teil nutzen die Franzosen aber als Grundstock für ihre Schulbibliothek, auf welche die neu gegründete École centrale (Zentralschule) zurückgreifen konnte. Dieser fügten sie noch weitere Bücher aus den Beständen der anderen beiden Gymnasien sowie aus Klöstern in und um Köln hinzu. Seit der ‚Franzosenzeit' befindet sich der Buchbestand in Besitz eines Fonds, der zur Verwaltung des Kölner Kulturgutes geschaffen wurde. Später bürgerten sich dafür die Namen Gymnasialbibliothek und Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds ein.

Nach dem Ende der Franzosenzeit wurde Köln Teil der preußischen Rheinprovinz. Die Gymnasialbibliothek wurde weiter als Lehrmaterial genutzt und durch Neuerwerbungen ergänzt. Die heutige Systematik geht auf eine Umstrukturierung in den 1820er Jahren zurück, die von dem aus Bonn stammenden Bibliothekar Ferdinand Franz Pape durchgeführt wurde. Diese Neuordnung, die sich an der damaligen Einteilung der Wissenschaften orientierte, machte die Bibliothek sicherlich für Schüler und Lehrer besser nutzbar; die historischen Sammlungszusammenhänge wurden dabei aber auseinandergerissen. Leider gingen auch im 19. Jahrhundert Bücher durch Dublettentausch und -verkauf verloren. Schließlich wurden die Gymnasialbibliothek wie auch die Kölner Ratsbibliothek und die Bibliothek von Ferdinand Franz Wallraf zur Stadtbibliothek zusammengefügt. 1920 gingen die Bestände in der neugegründeten Universitäts- und Stadtbibliothek Köln auf, in der sich die Gymnasialbibliothek bis heute als Dauerleihgabe befindet. Heute besteht diese Sammlung aus etwa 40000 Bänden.

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Die Gymnasiablbibliothek heute in den Magazinräumen der USB. Mit freundlicher Genehmigung des Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds, ©Nola Bunke.

 

Ausgewählte Literatur:

  • Buzáz, Ladislaus: Deutsche Bibliotheksgeschichte der Neuzeit (1500-1800) (Elemente des Buch- und Bibliothekswesens 2). Wiesbaden, 1976.
  • Enderle, Wilfried: Die Jesuitenbibliothek im 17. Jahrhundert. Das Beispiel der Bibliothek des Düsseldorfer Kollegs 1619-1773, in: Archiv für Geschichte des Buchwesens 41. Frankfurt a. M., 1994, S. 147–213.
  • Quarg, Gunter: ‚Ganz Köln steckt voller Bücherschätze‘. Von der Ratsbibliothek zur Universitäts- und Stadtbibliothek 1602-2002. Köln, 2002.
  • Röhrig, Hans-Hermann: Reste alter Bibliotheken in der theologischen Abteilung der Kölner Gymnasialbibliothek. Köln, 1957.
  • Schmitz, Wolfgang: Deutsche Bibliotheksgeschichte (Germanistische Lehrbuchsammlung B 52). Bern/Frankfurt a. M./New York, 1984.
  • Schmitz, Wolfgang: Die Kölner Gymnasialbibliothek. Buchbestände und Handschriften aus sechs Jahrhunderten, in: Bildung Stiften. Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds. Köln, 2000, S.84-93.